08. September – 07. Oktober 2012




Niklas Tafra, Alia Pathan, Sophia Pahud, Annie Peters, Nick Carr, Friederike Hamann, Tom Trevatt, Marc Geneix, Sam Basu, July Video Coalition

Eingeladen von
Treignac Project 2012

•(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M•

Nachrichten zum Weltuntergang #6

Was für ein Objekt ist die Apokalypse? Was sind ihre Eigenschaften, Voraussetzungen und Potenziale? »(You listening to) youtube.com/watch?v=QSza93W6n1M« nähert sich der Apokalypse nicht wie einem erschreckenden Ereignis finaler Offenbarung, dem es zu entfliehen, das es zu leugnen oder zu überleben gilt, sondern als einem Gegenstand des Verstehens, selbst wenn dieser Gegenstand versucht, alles Verständliche zu vernichten.

Wenn man beginnt, über so ein scheinbar absurdes und unwahrscheinliches Ereignis wie den Weltuntergang zu spekulieren, lassen sich einige Charakteristiken definieren – zunächst vielleicht nur negative Merkmale, doch nach und nach gibt dieser Gegenstand seine merkwürdige Topologie zu erkennen. Möglicherweise gibt es mehr als nur eine Apokalypse, viele kleine Apokalypsen, die an der Evolution des täglichen Geschehens teilnehmen.

»(You listening to) youtube.com/watch?v=QSza93W6n1M« schlägt vor, sich von der Gewohnheit, Veränderungen als singuläres Ereignis zu sehen, das aus dem Jenseits über uns kommt und die Entfaltung unseres Zeitalters unterbricht, zu lösen. Der Ausstellung liegt eine alternative Strategie des Nachdenkens über den Wandel zugrunde. Diese distanziert sich vom Model des Bruchs oder des Ereignisses, um eine Vielfalt von Prozessen, die ein komplexes und verhaltensbezogenes Objekt formen, zu imaginieren. Wie Wettersysteme oder marktwirtschaftliche Blasen, ist eine Apokalypse instabil und reaktiv, sie wird geformt durch die Dinge, mit denen sie in Kontakt kommt. Eine Post-Apokalypse gibt es nicht, wir können nur in der sich ausbreitenden Hitze einer aufkommenden apokalyptischen Entität leben. Willkommen in der Apokalypse.

Die Ausstellung ist eine Einladung, die Apokalypse als einen Weg zur Neudefinition aller Arten von Revolution zu sehen. Große Veränderung kommt nicht allein von Außen, sie absorbiert alles in ihrem Weg, vermischt sich und entsteht von Neuem. Wir verbinden uns mit der Apokalypse und untereinander in neuen, hybriden Konstellationen.

Das Material für die Ausstellung und die darin enthaltenen Ideen wurden von einer Gruppe internationaler Künstler_innen während eines intensiven Austauschs in den abgelegenen Hügeln des Plateau de Millevaches erarbeitet, Heimat der Tarnac 9 und letzte Ruhestätte von Deleuze. Treignac ist ein von Künstler_innen initiiertes Programm zur Förderung kollektiver Ansätze im Kunstbereich.

Mit ihrem Center for Education Recherche Dossier A Collaborative Approach to Progress (2012) erzählt Annie Peters über das Leben im Spannungfeld einer Katastrophe. Der pädagogische Hintergrund der Arbeit sowie der Fokus auf die Notwendigkeit von Gemeinschaft als Gegenpol zu individueller Autorität lassen uns über den Wert von gemeinschaftlich erzeugtem Wissen nachdenken. Der Text der Arbeit macht klar, dass die Fähigkeit, Wissen zu generieren – und nicht nur zu überliefern – sowie unsere sozialen Strukturen direkt mit unserer Existenz in Verbindung stehen und dass das Individuum im Notfall eine möglicherweise unzureichende Entität darstellt.

Sophia Pahud präsentiert land-e-scape (2012) eine Fotografie von einer Intervention in den verlassenen Gebäuden von Treignac Projet, in denen sich die beteiligten Künstler_innen regelmäßig versammelten. Der Raum ihrer Reflektionen wird hierbei zu einem physischen Ort, dem Spuren verganger Unglücke innewohnen. Der wirtschaftliche Kollaps der industriellen Garnfabrik und der langsame Verfall der Infrastruktur gehen der Nutzung des Ortes für künstlerische Modi des Denkens voran und beeinflussen deren Entwicklung.

Die Videoarbeit Petite Roque (2012) von Niklas Tafra und Alia Pathan zeigt eine kleine Gemeinschaft, die innerhalb der Begrenzungen einer abgeschnittenen und in sich geschlossenen Zeit ihre eigenen Handlungsmotive entwickelt. Fasziniert von der Ästhetisierung politischer Gesten in den Werken der Nouvelle Vague der 60er Jahre, kehren Tafra und Pathan zu der Frage nach dem politischen Potential von Kino und Erzählung zurück.

Nick Carr’s Bild Articulation No.9 (2012) scheint zunächst organische Qualitäten zu besitzen, aber je näher der Horizont des Bildes rückt, wird deutlich, dass es vollständig digital erzeugt wurde. Carr entwickelte eine Reihe von Gesetzen für das Nebeneinander von schwarzen und weißen Pixeln in einem Raster. Wie in dem computergenerierten Evolutionsspiel Life entscheidet eine einfache Anzahl von Regeln, welche Farbe ein Pixel annimmt und lässt eine komplexe Form entstehen – vergleichbar mit sozialen Verhaltensweisen, erzeugt von einfacheren Lebensformen.

In Black Mirror (2009) von Marc Geneix wurde eine Tageszeitung mit schwarzer Tinte durchtränkt, wobei die Inhalte der Zeitung nicht verschwunden sind, sondern als schwarzer Glanz erscheinen. Auf den transformierten Seiten tauchen Bilder und Texte wieder auf und werden gleichzeitig verborgen von der schwarz-spiegelnden Oberfläche. Geneix setzt sich mit der Frage auseinander, was Entropie-Prozesse freisetzen und wie sich Neuordnungen in Zuständen von Chaos bilden.

Die Poster Deklaration Bye bye baby, you are my horizon, my only limit, the strange distance created and lost in the moment of our final destruction, let us not forget that there will be no more memory, no more mind, no more you and me, as you disappear in the fires of apocalypse we lose our anthro-morphological relation, there is no returning to the home that you used to provide (2011/12) von Autor und Kurator Tom Trevatt behauptet, innerhalb eines post-humanistischen Feldes eine politische Situation zu konstruieren. Die Form eines Revolutions-Manifests bzw. öffentlich angeschlagener Thesenblätter zitierend, nimmt das Poster den Moment an der Grenze zur (Nicht-)Existenz als Ausgangspunkt für Gedanken an Liebe.

Sam Basu, Friederike Hamann und Nick Carr formen das Kollektiv JVC. Dieses profitiert vom Zusammenspiel ihrer verschiedenen Arbeitsweisen, und produziert Videos, Texte und Objekte. Dabei interessieren sie sich für die Frage, wie filmischer Raum hybride und veränderte Rahmenbedingungen für Gruppenaustausch und gemeinsames Denken entstehen lässt. In ihrer Installation Assemblage Cinematic Diagram (2012) benutzten sie die Idee des Desasters, um über die Beziehungen zwischen Sound, Video-Loop, Zeitkreisläufen und rekursiver Progression nachzudenken.


(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M
(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M

(You listening to) youtube.com/ watch?v=QSza93W6n1M