19. Mai - 10. Juni 2012




Friederike Hamann, Christina Kral, Malte Urbschat

Eingeladen von
Ulrike Gerhardt, Susanne Husse

•Is there anything we can do for now?•

Nachrichten zum Weltuntergang #3

Die dritte Ausstellung der Reihe »Nachrichten zum Weltuntergang« kreist um die Frage, was angesichts unausweichlicher Ereignisse mit gravierenden Auswirkungen für die Menschen getan werden kann. Die drei eingeladenen Künstler_innen Friederike Hamann, Christina Kral und Malte Urbschat nehmen das nahende Weltende als fiktiven Ausgangspunkt für ihre Beiträge und beziehen Stellung zur Handlungsfrage.

Malte Urbschat lotet in seinen Skulpturen, Mobiles, Zeichnungen und Installationen die Grenzen zwischen Kunst und Wissenschaft aus. Für »Is there anything we can do for now?« bringt Urbschat an der Fassade des Hauses Nummer 12 der Kollwitzstrasse zwei selbstgenähte Fahnen aus der Serie 8 Fahnen (2003) an, die die Nutzung von Ressourcen und Technologien unseres Alltags verhandeln. Die zunehmende Privatisierung von Wasser und die bisher unbekannten Langzeitfolgen von globalen Mobilfunknetzen sind Themen seiner zwei Fahnen im Außenraum. So wird die Tropfenfahne von einem Schild mit der Aufschrift »Wer verkauft uns unser Wasser?« begleitet. Auf der zweiten Fahne ragt eine Antenne, wie ein menschliches Geschwür oder eine Mutation, aus einem Mobiltelefon und erinnert an die Spekulationen über die Auswirkung von Handystrahlung. Urbschats Installation im öffentlichen Raum antwortet auf die Einladung mit zwei Fallbeispielen, die die Apokalypse als eine Summe vieler prä-apokalyptischer Ereignisse veranschaulichen, für die wir Menschen gemeinsam Verantwortung tragen.

Friederike Hamann beschäftigt sich mit der abstrakten Darstellung heterogener Denkansätze und Ideen in Form spezifischer Konstellationen. Ihre Installation für »Is there anything we can do for now?« knüpft inhaltlich an die Werkreihe Archiv Szenen an, die in den Vorgängerausstellungen mit der Archivrezeption experimentierten. In dieser neuen Arbeit abstrahiert sie das Archiv auf die Strukturen und Formen von Informationen und Architektur und kombiniert sie mit dem kollektiven Handlungspotential einer konkreten und doch offenen Gruppe von Menschen. Im großen Raum von NOTE ON arbeitet sie mit farbigen Papierbögen, die sie in langwierigen Bewegungsabläufen kontinuierlich neu arrangiert und abfilmt. Diese digital und auf 16mm Film festgehaltenen Animationen bestehen aus unendlichen Varianten, die ein je singuläres räumliches Gefüge aus Licht, Farbe und Transparenz repräsentieren. Ausgewählte Stills aus diesen Studien werden wie einzelne Landschaftsbilder projiziert und nehmen den Raum farblich und architektonisch für sich ein. Die Überlagerung verschiedener Ebenen wird einem weiteren Eingriff gegenübergestellt: Wie in einem Filmabspann werden die Namen jener Menschen projiziert, die sich NOTE ON und den eingeladenen Künstler_innen verbunden fühlen. Trotz ihrer Anonymität und Vielzahl multiplizieren sich die Aktions- und Relationsmöglichkeiten im Raum. Hamann deutet so unsere oft unüberschaubar gewordenen Freundeskreise als größtes Lösungspotential zur gestellten Frage »What do you think we can do for now?«.

Christina Kral vertieft sich in die subjektive Erwartung dem bevorstehenden, unbekannten Ereignis gegenüber und sucht im Alltäglichen nach Abstraktionspotential. Sie betrachtet das Warten als einen produktiven Moment des Übergangs und inszeniert einen Warteraum, den die Besucher_innen einzeln oder zu zweit für 7 Minuten betreten dürfen. Was werden sie aus der Zeit machen? Warten hat für Kral, so wie andere Alltagssituationen und Routinen, einen potentiell transitorischen Erfahrungswert. In einem konstruierten Raum befindet sich eine formalisierte Warteraumgarnitur. Das Gefühl für Zeit und Raum wird aufgeweicht, statt konsumierbarer Kunst existieren verschiedene Vorschläge, die verbliebene Zeit aktiv zu nutzen. Möbel, Pflanzen, Objekte und Fotografien bieten Suggestionen und Anregungen, diese aktiv in Passivität zu verbringen. Der Warteraum steht im Zentrum ihrer multimedialen Installation Suggestions For The Meantime – An Archive Of Possibilities.

Das Archiv zur Ausstellung wird diesmal von Christina Kral vorgestellt und ist die Weiterführung von Suggestions For The Meantime – An Archive Of Possibilities. Sie stellt Objekte und konservierte Aktivitäten ihrer Familie aus – insbesondere die ihres Großvaters Karl Kral aus Delitzsch. Dessen Papierrollen mit Notizen zum Wetter und die Tagebücher seiner gezählten Schritte suggerieren Tätigkeiten, die durch ihre Wiederholung, Beobachtung, Dokumentation und Benennung zum Gegenstand der besonderen Auseinandersetzung mit dem Gestern, Heute und Morgen werden. Der entkoppelte Blick auf den Alltag und seine Routinen wird hier zum Agenten, der Besonderheiten, Veränderungen und Abweichungen kenntlich macht und zelebriert.

Bild: Malte Urbschat, Tropfenfahne, aus der Serie 8 Fahnen, 2003, Fahnenseide und Stoff, 100x140cm, Detail.


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