• 2016 •



NOTE ON arbeitet seit der Jahresmitte 2013 ohne festen Ort und reagiert seither auf verschiedene Situationen, Orte, Kontexte und Themen. Gemeinsam mit Kollaborateur_innen werden temporäre Zonen kritischer Ironie entwickelt, die Autorität als Fiktion und als sprachlichen Effekt sichtbar machen. Ausgestattet mit einem Wunsch nach solidarisierenden Praxen untersucht NOTE ON in 2016 Sammlungen und Bestände zeitgenössischer Artefakte. Verstanden als »Aktanten« im Sinne Bruno Latours, geht es dabei um Dinge, die innerhalb und außerhalb des digitalen Raumes ein exzessives Morphing betreiben können. Diese Handlungsträger sind mit Rechten und Pflichten sowie mit einer bestimmten Eigenlogik und -dynamik versehene Entitäten und zirkulieren als Objekte, Diskurse und soziales Band zur Herstellung von Kollektiven. Statt zum Beispiel Werkzeuge, Konsumobjekte oder andere Alltagsgegenstände auf bloße Materialisierungen einer spezifischen Zeit oder Kultur entlang einer Repräsentationslogik gesellschaftlicher (Miß-)Verhältnisse zu reduzieren, fokussiert sich NOTE ON auf ironisierende Gesten des Zeigens, die die Sprecher_innenposition mitreflektieren und auf existentielle Spannungen zwischen Tragik und Komik hinweisen, insbesondere in Bezug auf Konstruktionen von Weiblichkeit und nationaler Identität.



• 2015 •



Für dieses Jahr reaktiviert NOTE ON den FilmKlub für post-koloniale und feministische Visionen. Der FilmKlub ist ein Format, das 2013 ins Leben gerufen wurde, um Film und zeitbasierte Medien als Werkzeuge für die Konstruktion sozialer Räume auszutesten. Künstler_innen, Filmemacher_innen, Denker_innen und Expert_innen aus verschiedenen Felder werden eingeladen, um eine Zusammenkunft auf der Grundlage eines Filmes ihrer Wahl zu initiieren. Der FilmKlub bietet ausgehend von der Praxis und den Ideen der Gastgeberin/ des Gastgebers eine Gelegenheit für Gespräche, Debatten und Close Readings bezüglich der Semiosphäre des ausgewählten Filmes. Die Wahl der Künstlerin Lerato Shadis für den FilmKlub fiel auf die kollaborative Dokumentation Jeppe on a Friday (Kanada, Südafrika, 2012), realisiert von einer Gruppe von Filmemacherinnen um Arya Lalloo und Shannon Walsh. Über die Porträtierung von fünf Männern und ihren Zielen, Begehren und Überlebenskämpfen im Verlauf eines Freitags, erkundet der Film einen der ältesten Vororte Johannisburgs: Jeppestown.



• 2014 •



Im vierten Jahr seit seiner Gründung arbeitet NOTE ON bevorzugt ohne festen Ort, um auf verschiedene, abweichende Situationen, Orte und Kontexte reagieren zu können. Anstatt an einem Raum festzuhalten, steht nun das Mäandern und Entdecken neuer Verbindungszonen im Vordergrund, in denen aus figurativem Denken Ideen und Kritik entstehen. 2014 erhielt NOTE ON vielfältige Einladungen von Institutionen, künstlerischen Initiativen, Projekträumen, privaten Sammlungen und Archiven. An jedem Ort und zu jeder Gelegenheit webt NOTE ON eine virtuelle soziale Textur, deren Muster von Künstler_ innen, Denker_innen, Forscher_innen, lokalen Expert_innen, Kollaborateur_innen und Fremden improvisiert wird. Wir verstehen diese Maschen als Ursprünge für »vorübergehende Vertigos« (Tiina Kirss 2006), unentschiedene Zustände, in denen sich Bekanntes und Unbekanntes berühren. NOTE ON interessiert sich für künstlerische Praktiken topographischer Konzeptualisierung, in denen ausgewählte Denkfiguren umrissen, geformt und situiert werden. Kultur wird als Frage im »beyond« verortet (Homi K. Bhabha 1994), um ausgehend von dieser Verschiebung Ausstellungsformate und Rechercheprojekte zu in-betweenness, zu Zwischenpassagen und ex-zentrischen Orten der Erfahrung zu realisieren – wie in »Krampfographien/ Crampographies« im Februar 2014. Damals tauchte NOTE ON in Zustände und Topoi physischer Anspannung ein und reflektierte die Potenzialität des Krampfes als kollektiv-singulären Kollaps aus einer queeren und post-identitären Perspektive. Akzeleration, Arrythmie, Unterbrechung, temporäre Überdosierung und die Zirkulation zersplitterter Temporalitäten werden als verstörende Effekte und Beweise eines sozialen und politischen Umbruchs gelesen und mit dem Alltäglichen konfrontiert. NOTE ON widmet sich der Aufzeichnung idealer und aktueller Verräumlichungen von Bewegungen und Gedanken zwischen Vergangenheit und Zukunft, Geist und Materie, institutionellen Orten und öffentlichen Räumen.



• 2013 •



2013 beschäftigt sich NOTE ON mit kontextabhängigen Prozessen des Benennens und Re-Benennens in der visuellen Kultur. In insgesamt fünf künstlerischen Projekten wird das (Re-)Benennen als eine realitätskonstituierende Handlung konzeptualisiert: Das Betiteln zeitgenössischer Skulpturen entlang vergangener Ereignisse und historischer Zäsuren wie 1989 (»Und die Uhrzeit läuft einfach immer weiter«, Einzelausstellung von Wilhelm Klotzek), das Belegen von Objekten mit Erzählungen und Flüchen (»Ils usaient de la parole un peu comme le chef de train de ses drapeaux, ou de sa lanterne.«, Gruppenausstellung kuratiert von Gastkurator F. Heckel), lokalisierbare Missverständnisse in der und durch die Sprache (»Keep Taking it Apart«, kuratiert von Gastkuratorin Yulia Startsev) oder die spekulative Etymologie der Pflanzengattung »Ferrari Amaryllis« (»Ferrari Amaryllis«, Ausstellung von L. McLardy und F. Spichtig) sind zu verstehen als künstlerische Akte des Benennens und Re-Benennens vor dem Hintergrund unvollendeter Geschichten und der Appropriation von Residuen. Wie Friedrich Nietzsche bereits 1882 in Die fröhliche Wissenschaft feststellte, sind die Namen von Objekten wichtiger, als das, »was sie sind«. Ab dem Zeitpunkt ihrer/seiner Benennung befindet sich die/der/das Benannte in einer paradoxen Phase intimer Zuneigung und Personalisierung sowie radikaler Depersonalisierung, ein Vorgang, in dem systemische Ordnungen ins Rhythmische und Non-Identitäre übergehen.



• 2012 •



»Nachrichten zum Weltuntergang #1-8« ist eine achtteilige Serie von Einzel- und Gruppenausstellungen zu existentiellen Themen wie Liebe, Verschwörungstheorie, Post-Humanismus, individuellen Mythologien sowie zur Konvergenz von Kunst und Aktivismus. Im Kontext dieser Serie antizipieren und feiern wir den prognostizierten Weltuntergang am 21. Dezember 2012 als tatsächlichen Zusammenbruch und Neuanfang. Von Januar bis Dezember erproben wir zusammen mit Kompliz_innen und den Besucher_innen streitbare Visionen und Modelle, die für die Zukunft der Vergangenheit von Nutzen sein können. An den Grenzen von Kunst, Gesellschaft und Wissenschaft, bringen wir marginalisiertes Wissen zur Anwendung und suchen nach neuen Kriterien für die Archivierung unserer Gegenwart. Die Ausdehnung in den öffentlichen Raum, disziplinäre Entgrenzungen und die Frage danach, wie wir in der neuen Welt handeln und was wir für die Zukunft archivieren wollen, markieren das NOTE ON Jahresprogramm 2012.



• 2011 •



Im Gründungsjahr 2011 legt NOTE ON seinen Schwerpunkt auf die Aufzeichnung, Verbildlichung und Performanz von in Bewegung befindlichen Elementen und ihrer Stillstellung und Übertragung in den Raum als Zeichen, Raster und symbolische Handlung. In diesem Jahr wird NOTE ON als einführende Formel und Rahmen jeder Veranstaltung gebraucht, da wir als Team eines Projektraums die beständige (Re-)Formung und Kontextualisierung »junger« konzeptueller Positionen anregen und begleiten (z. Bsp. »Note On a solid soul« von F. Heckel). NOTE ON lädt differente Künstler_innen und Kulturproduzent_innen dazu ein, räumliche Skizzen und Notizen zu entwickeln – offene Strukturen, die gezielt assoziativ, (a)symmetrisch und (a)logisch sind. Im Rahmen von vier über das Jahr verteilten Einzelausstellungen, einer Bücherausstellung mit »Studio Taube« und einer Kollaboration (»Note On In-Difference« von L. Wittenburg & J. Zimmer) wird das Wechselverhältnis zwischen Zeichnung, Text und Skulptur erforscht.